49 Jahre Behindertenzentrum

1973 wurde aus Eigeninitiative für die Tagesbetreuung und die Förderung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung der mildtätige und gemeinnützige Verein “Zentrum zur Förderung geistig Behinderter e.V.” von engagierten Eltern und Erziehern gegründet.
Einer der Initiatoren des Vereins ist noch heute als Vorstand für den Verein tätig und ist maßgeblich an der Weiterentwicklung der Angebote beteiligt.
Das Behindertenzentrum ist ein Beschäftigungs- und Förderbereich (BFB) für erwachsene Menschen mit vorrangig geistiger Beeinträchtigung in der Turmstraße 21 in 10559 Berlin Moabit. Wir bieten 50 Plätze organisiert in vier Gruppen an.

Neben der Förderung in diesen Basisgruppen in den Bereichen Sozialverhalten und Verständigung, lebenspraktischer Bereich, Arbeitsförderung, Bildungs- und Lernangebote, kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe zählen zu unseren therapeutischen  und begleitenden Angeboten die Physiotherapie, die Musiktherapie, die Kunsttherapie, die Förderung von Kommunikation und Wahrnehmung sowie die Kreativwerkstatt.

Als Verbandsmitglied und Mitglied der Lebenshilfe, von Arbeitsgruppen des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sowie des Aktionsbündnisses „Das Blaue Kamel“ sind wir an regem Wissensaustausch interessiert, geben Anstöße und sind an der Erarbeitung von Maßnahmen beteiligt.

Unsere Teilnehmer leiden an umfangreichen Beeinträchtigungen in ihrer Wahrnehmung sowie in ihrer sprachlichen, sozialen und motorischen Leistung. Diese treten als Sprachentwicklungs-, Kontakt-, Koordinations-, Seh- und Hörstörungen sowie als Störung des motorisch-taktilen Erfassens auf. Nach unserem Konzept werden diese Menschen in ihrer Gesamtentwicklung gefördert und pflegerisch betreut. Besonderer Wert wird auf die Förderung der praktischen Selbsthilfe, der Selbstsicherheit und auf das Erwerben eines angemessenen Sozialverhaltens gelegt. Des Weiteren werden die Teilnehmer im Rahmen der ihnen gegebenen Möglichkeiten schrittweise an eine kreative, handwerkliche Tätigkeit herangeführt. Wir tauschen uns mit den Familien der Teilnehmer sowie mit den Kollegen (innen) in den Wohneinrichtungen der behinderten Menschen intensiv aus, besuchen uns gegenseitig, lernen das gesamte Umfeld kennen.

Der Grundgedanke unserer multiprofessionellen Mitarbeiter ist die ganzheitliche Akzeptanz der individuellen Persönlichkeit der uns anvertrauten Menschen. Engagiertes Handeln der Pädagogen und Therapeuten gerade gegenüber dem Beeinträchtigten, schafft Lebensperspektive und gibt Möglichkeiten zur Planung. Wir sehen unsere Aufgabe darin, entwicklungsfähige Ansätze bei jedem uns Anvertrauten zu entdecken und zu stärken, mit dem Ziel, an der gesellschaftlichen Erlebnis- und Handlungswelt teilzuhaben.

Für wen es uns gibt…

Erwachsene Menschen mit vorrangig kognitiver Beeinträchtigung ohne Werkstattfähigkeit aus den Bezirken der Region Mitte (Mitte, Wedding, Tiergarten, Kreuzberg, Friedrichshain), die sich nach einem Besuch und gegenseitigem Kennenlernen für uns entschieden haben, können platzabhängig bei uns aufgenommen werden. Ebenso können wir die Beschäftigung, Betreuung, Förderung und Therapie für Menschen mit intellektueller Behinderung mit zusätzlich psychisch auffälligen oder autistischen Verhaltensweisen anbieten. In unserer mehr als dreißigjährigen Arbeit ist es uns gelungen, nicht gruppenfähige Menschen mit Beeinträchtigungen in Gemeinschaften zu integrieren, ihnen erfolgreich Wege der Reifung und Entwicklung zu zeigen. Einige Teilnehmer konnten und können wir an Werkstätten für behinderte Menschen weitervermitteln.
Gern sind wir auch für Menschen mit Behinderung da, bei denen bisher sozial-, familiär-, medikamenten- oder behinderungsbedingt eine Förderung oder Teilhabe in die gesellschaftliche Handlungswelt nicht möglich war oder gescheitert ist. Menschen, für die die Aufnahme in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung aufgrund ihrer Beeinträchtigung und ihres Lebensalters nicht in Betracht kommen kann, werden bei uns in ihren Fähigkeiten stabilisiert.

Und die Eltern und Angehörigen…

Die Zusammenarbeit mit den Eltern und Angehörigen der Teilnehmer ist Voraussetzung für unsere pädagogische Arbeit. Regelmäßige Austauschgespräche dienen nicht nur dem Informationsaustausch über die Belange der Teilnehmer, sondern auch dem Kontakt der Eltern/Angehörigen mit uns und untereinander. Regelmäßige gemeinsame Feste, wie z.B. das Sommerfest und der Weihnachtsbasar, gehören ebenfalls zu solchen beliebten Treffen.
Durch die intensiven Kontakte zu den Eltern und Angehörigen und deren Mitarbeit wurde unsere Klangspielgruppe „Orffeus“ gegründet. Zum Miteinander-Freude-Haben, Lachen und Plauschen, Austausch von Neuigkeiten und Sorgen gibt es auch Gelegenheit.

Was uns ausmacht

Bei der Frage was das Besondere am Behindertenzentrum ist, müssen zunächst unsere Teilnehmer genannt werden, die durch ihren Charakter, ihren Humor und ihre Einzigartigkeit unser Leben bereichern.

Um ihnen eine möglichst breitgefächerte Beschäftigung und Förderung anzubieten, ist eine Vielzahl von qualifizierten Mitarbeitern in das Beschäftigungskonzept eingebunden. Festangestellte Therapeuten (innen) in den Bereichen Musik-, Kunst- und Physiotherapie arbeiten ganzheitlich und gruppenübergreifend mit Heilerziehungspflegern (innen), Erziehern (innen), Heilpädagogen (innen), Ergotherapeuten (innen) und Sozialarbeitern (innen) zusammen. Die Ergebnisse der multiprofessionellen Zusammenarbeit fließen in Teambesprechungen in die Förderplanung der Teilnehmer ein.

Auch der Standort sollte nicht unerwähnt bleiben. Das Behindertenzentrum befindet sich auf dem Gelände des Gesundheits- und Sozialzentrums Moabit (GSZM), dem ehemaligen Krankenhaus Moabit. Zentral gelegen und verkehrstechnisch gut angebunden, sind von hier aus Ausflüge etc. leicht zu organisieren. Das parkähnliche Gelände ermöglicht es, kleinere Spaziergänge, ungefährdet vom Verkehr, durchzuführen.

Die Finanzierung unserer Arbeit

Das Sozialgesetzbuches Neuntes Buch – Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderung deckt den gesetzliche Anspruch sowie die Kosten der Menschen mit Behinderung auf Eingliederungshilfe über den geregelten „Tagessatz“ für den BFB ab. Das volle Leistungsspektrum wäre jedoch ohne den Großmut unserer Spender nicht möglich.

Unsere Geschäftsführung und der Vorstand des Behindertenzentrums