Arbeitsförderung   



"Arbeit ist das halbe Leben" ist ein häufig gehörtes Sprichwort. Auch für Menschen mit geistiger Behinderung stellt eine sinnvolle Beschäftigung einen zentralen Bereich ihres Lebens dar. Ein großer Teil des Selbstwertgefühls resultiert aus Erfolgserlebnissen, die im beruflichen Umfeld erfahren werden.
Die im Behindertenzentrum betreuten Menschen sind zwar nicht in der Lage, in einer "Werkstatt für Menschen mit Behinderung" zu arbeiten, erleben aber die Beschäftigungs- und Förderangebote als erfüllende Aufgaben.
Arbeiten dürfen bewirkt andauerndes Lernen, vermittelt Zeitstruktur und ein Gefühl für Leistung und Anerkennung, Anspannung und Entspannung. Arbeit ist der Rahmen für soziales Lernen, für ein Miteinander und Füreinander.
Die im Behindertenzentrum angebotenen Arbeiten und Förderangebote sind Spiegel gesellschaftlich relevanter Arbeitsplätze. In großer inhaltlicher Breite kann den Interessen, Neigungen und Fähigkeiten des Einzelnen weitgehend entsprochen werden.
Handwerkliches Arbeiten in Einzel- und Serienfertigung, kreatives Gestalten, Musizieren und hauswirtschaftliche Tätigkeiten werden in Gruppen oder Einzelbetreuung eingeübt.


Kunsthandwerkliches Arbeiten
Durch den angelegten Maßstab der "Marktfähigkeit" der selbstentworfenen und hergestellten Objekte erleben die Betreuten "normale" Arbeitswelt, denn auf jährlichen Veranstaltungen wie dem Sommerfest und dem Weihnachtsbasar werden die ange-fertigten Gegenstände verkauft.
Angebotene Aufgaben und eingesetzte Materialien sind: Pappmachéarbeiten, textiles und bildnerisches Gestalten, einfache Holzarbeiten, Arbeiten mit Papier und Filz, Paillet-tenarbeiten und vieles mehr.
Die behinderungsbedingten Einschränkungen der Betreuten erfordern eine individuelle arbeitstherapeutische und pädagogische Anpassung der Aufgaben und Anforderungen an den Einzelnen.
Die Arbeiten werden analysiert und differenziert – gestuft in arbeitsteiligen oder arbeits-gleichen Verfahren angeboten. Jeder Betreute kann in Arbeitsprozesse integriert sein, selbst wenn Grundarbeitsfähigkeiten noch in Anbahnung und Entwicklung begriffen sind. Ein niedriger Entwicklungsstand, hohe Ablenkbarkeit, affektive Spannungslagen oder Ängste der Betreuten erfordern Einzelförderungsmaßnahmen durch die pädagogischen Mitarbeiter.


Spiel-, Theater- und Bewegungsgruppe
'Sich selbst wahrzunehmen, mit allen Sinnen, mit sich und anderen in Kontakt zu treten, sich zu spüren, zu erfahren sich kreativ und spielerisch auszudrücken, ein Teil des Ganzen zu sein, der den gemeinsamen Raum mitgestaltet' so lässt sich die immer neue Suche der Spiel-, Theater- und Bewegungsgruppe bezeichnen.

Mit Wahrnehmungsübungen, Körperübungen und verschiedensten Spielen zu unterschiedlichen Themenbereichen haben die Teilnehmenden die Möglichkeit ihre Körperwahrnehmung und Sinne zu schärfen. Die Teilnehmenden werden begleitet ihren eigenen individuellen Ausdruck zu finden und ernst zu nehmen, sich selbst als kreativ und künstlerisch tätig zu erleben.
Durch eine zugewandte, dialogische und zugleich unterstützende Haltung bewegt sich die Arbeit zwischen Kunst und Pädagogik. Die Teilnehmenden können spielerisch, lustvoll und eigenständig aktiv sein. Sie können die anderen sinnlich und körperlich berühren.
Sie können Themen einbringen und spielerisch umsetzen. Sie können körperliche und soziale Grenzen sowie Regeln spielerisch ausprobieren und erfahren. Sie können Themenschwerpunkte spielerisch erarbeiten, im Mittelpunkt stehen und die Richtung vorgeben. Sie können Anerkennung, Freude und Stolz oder auch Leid durchleben. Sie bewegen sich und andere, sie spielen... Theater.


Schreiben, Lesen, Rechnen - Die Schreibgruppe
In unserer Schreibgruppe fördern wir individuell die Kulturtechniken – Lesen, Schreiben und Rechnen. Vorhandenes Wissen wird vertieft und Neues dazugelernt bzw. Defizite aufgeholt.
Alltagsbezogene, lebensnahe Themen werden aufgegriffen und für den Unterricht aufbereitet (z. B. Schreiben des Namens, Arbeitsmaterialien, Lebensmittel, Liedertexte, Jahreslauf). Zahlenräume werden erschlossen, Mengen und Formen unterschieden und der Umgang mit Geld geübt.
Zur Förderung der Teilnehmer wird auch der PC eingesetzt. Durch die Benutzung von Mal- und Spielprogrammen werden die Teilnehmer mit diesem Medium vertraut gemacht und mit Hilfe von Lernprogrammen gezielt gefördert.
Die erworbenen Kenntnisse wirken sich positiv auf die Selbständigkeit und die Sicherheit im Alltag aus. Auch erleichtern sie somit die Teilnahme am öffentlichen Leben.


Die musikalische Arbeit
Ein weiterer Baustein im Katalog der Maßnahmen zur umfassenden Förderung der Behinderten ist die musikalische Arbeit. Ausgehend von dem Gedanken, "jeder kann irgend etwas" gilt es, zunächst herauszufinden, was schlummert in jedem Einzelnen, wo ist der jeweilige individuelle musikalische Ansatzpunkt und wie kann eine Ansprache erfolgen, die eine auf Musik ausgerichtete Betätigung ermöglicht. Dies geschieht auf zwei Ebenen: einerseits in der Einzel- und Kleingruppenarbeit und andererseits im Rahmen von Chor, Orchester und Tanzgruppe.

Mehr Informationen (incl. Tonbeispiele) erhalten Sie im Bereich Musiktherapie.


Malen und Gestalten - Die Malgruppe
Freies Malen und Gestalten bietet die Möglichkeit, sich selbst unmittelbar auszudrücken. Gerade den Menschen, die sich weniger verbal ausdrücken können, dient die bildnerische Arbeit im besonderen Maße der Mitteilung und der Kommunikation.
Die angebotenen Gestaltungsmaterialien (Farbe, Wachs- und Buntstifte, Kleister und Ton) motivieren zum spielerischen Umgang und eignen sich, Stimmungen, motorische Impulse und Konflikte auszudrücken. Innerhalb der individuellen Kleingruppen- und Einzelarbeit erweitern gezielte Anregungen das persönliche Ausdrucksvermögen, die Materialkompetenz und die Selbstentwicklung.


Hausarbeit
Jede der vier "Basisgruppen" des Behindertenzentrums hat einmal wöchentlich einen Kochtag. Am Vortag wird gemeinsam beschlossen, was gekocht wird und es werden die Einkäufe erledigt. Jeder beteiligt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an den zum Kochen gehörenden Tätigkeiten.
Zu den weiteren hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, die regelmäßig geübt werden müssen, gehören: der Tischdienst, das Ein- und Ausräumen der Geschirrspülmaschine, das Wäsche waschen, aufhängen, bügeln und einräumen sowie gelegentlich Kuchen backen.

Alle diese Tätigkeiten sind unverzichtbare Bestandteile des alltäglichen Lebens. Sie müssen – ob gern oder ungern – regelmäßig ausgeübt werden und gehören zu einem Erwachsenenleben nun einmal dazu.